Wenn das Leben plötzlich Kopf steht

Wie das Corona-Virus den Pflegealltag verändert hat

Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen des Lebens für große Veränderungen gesorgt. Insbesondere Senioren sind vom Virus stark gefährdet, für Seniorenheime bedeutet das strikte Regeln, um der Krankheit Einhalt zu gebieten. Auch im Wohn- und Pflegezentrum Lindenhof in Eschwege hat die Pandemie dafür gesorgt, dass sich der Alltag für alle völlig verändert hat.

„Wir haben die Vorgaben der Bundesregierung sehr schnell und frühzeitig umgesetzt. Besuchszeiten haben wir gestrichen, damit wir keinen Verkehr von Außen haben“, erklärt Stefan Riethmüller, Einrichtungsleiter in Eschwege. Bei der Versorgung der Senioren habe man zudem verstärkter auf die Hygienemaßnahmen geachtet, sei dabei aber auf ein großes Problem gestoßen. Denn: die Lieferung von Schutzkleidung für das Personal gestaltete sich alles andere als einfach.
„Wenn wir Bestellungen aufgegeben haben, wurden uns teilweise Lieferzeiten von fünf bis zehn Wochen genannt, oder man konnte uns überhaupt nicht sagen, wann die Ware ankommt“, sagt Riethmüller. Glücklicherweise gab es Hilfe von Außen, denn der Werra-Meißner-Kreis und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. halfen dabei, die Schutzbekleidung zu bekommen.

„Meine Mitarbeiter haben nicht nur dieses Problem bravourös gemeistert, sondern auch alle Maßnahmen vorbildlich und mit Herz umgesetzt und den Senioren dabei geholfen, sich an die neue Situation zu gewöhnen“, freut sich Stefan Riethmüller. Mittlerweile wurde auch das Besuchsverbot von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gelockert. Die Senioren dürfen in verkürzten Besuchszeiten wieder Verwandte in der Einrichtung begrüßen.

Das Pflege- und Wohnzentrum Lindenhof in Eschwege. Foto: Lindenhof

Dafür wurde im Lindenhof ein Raum eingerichtet, den man von außen betreten kann und in dem die räumlichen Möglichkeiten bestehen, die Kontaktbeschränkungen einzuhalten. „Wir haben eine Liste, in die Besucher eingetragen werden. Somit können wir den Ansturm regeln und nachverfolgen, wer wann zu Besuch war“, sagt Riethmüller. Denn noch immer besteht die Gefahr, dass der Virus sich doch noch in der Einrichtung verbreitet. „Bisher hatten wir keinen Fall und sind darüber sehr froh. Ausruhen können wir uns darauf nicht“, sagt der Einrichtungsleiter.

Für die Bewohner heißt das auch weiterhin: Weniger Kontakt zu Menschen außerhalb des Lindenhofs. Um dem Abhilfe zu schaffen, macht das Pflegezentrum aber immer wieder Anrufe möglich und auch Briefe werden den Senioren geschrieben – und das nicht nur von der Familie. Denn in Eschwege startete eine Aktion, bei der fremde Menschen den Bewohnern schreiben konnten, um sie aufzumuntern.

In den kommenden Wochen warte man nun ab, wie sich die Situation entwickle, denn die Bewohner sollen auch weiterhin vor dem Virus geschützt werden. (frw)