Warum bin ich so müde?

Phänomen Frühjahrsmüdigkeit: Woher sie kommt und was dagegen hilft

Während die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, die ersten bunten Blüten sichtbar werden und in der Tierwelt der erste Nachwuchs geboren wird, fallen uns Menschen die Augen zu. Frühjahrsmüdigkeit heißt das Phänomen, dass in den ersten warmen Frühlingstagen so ziemlich jeden Menschen trifft. Warum? Apothekerin Andrea Bräutigam, Inhaberin der Adler Apotheke, beantwortet diese Frage und gibt nützliche Tipps, die uns wach machen.

Hormone außer Rand und Band

Als Ursache für die Frühjahrsmüdigkeit galt lange Zeit, dass der Mensch im Winter deutlich weniger Obst und Gemüse esse und die Vitamin- und Mineralstoffspeicher deshalb leer seien. „Mit der Globalisierung und dem großen Angebot an Zusatzpräparaten fällt die These“, sagt Andrea Bräutigam. Denn wir haben das ganze Jahr über Zugriff auf frisches Obst und können mit Hilfe von Präparaten einen Nährstoffmangel mit wenigen Tabletten ausgleichen. Ärzte und Schlafexperten gehen deshalb davon aus, dass die Frühjahrsmüdigkeit durch ein Ungleichgewicht der Hormone Seratonin und Melatonin sowie einen zu niedrigen Blutdruck verursacht wird. „Seratonin wird durch Lichteinfluss produziert, aktiviert den Körper und sorgt für gute Laune“, erklärt Bräutigam. Das trifft auf ein Überangebot des Schlafhormons Melatonin. Der Hormonhaushalt ist nicht im Gleichgewicht. Die Folge: Müdigkeit, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen. Etwa zwei bis vier Wochen braucht der Körper, bis er zwischen den beiden Hormonen die Wage wiederhergestellt hat.

Erweiterte Blutbahnen

„Das Frühjahr ist in der Regel ein Mix aus warmen und kalten Wetterphasen“, sagt Andrea Bräutigam. Das wirkt sich auf den Blutdruck aus. „Wärme sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern, das Blut zirkuliert schneller, der Blutdruck fällt ab“, sagt sie. Eine Achterbahnfahrt, die müde macht. Deshalb sind Menschen, die ohnehin einen niedrigen Blutdruck haben, im Frühjahr eher schläfrig.

Bewegung macht wach

Je fitter ein Mensch ist, desto weniger leidet er an Frühjahrsmüdigkeit. „Deshalb heißt das Hallo-Wach-Elixir gegen die Schläfrigkeit im Frühling: Bewegung an der frischen Luft. Viel trinken ist immer gut und ab und zu ein Besuch in der Sauna ist Ausdauertraining für die Blutgefäße“, rät Bräutigam. Sollten Müdigkeit und Abgeschlagenheit dennoch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, sollten Betroffene zum Arzt gehen.