Unser Wald ist keine Mülldeponie!

Förster Lars Schmidt gibt Einblick in seinen Arbeitsalltag

Der Wald ist Ort der Märchen, Mythen und Sagen. Er spendet Erholung, lässt uns tief durchatmen. Eine Wunderwelt, die in Deutschland 11,4 Millionen Hektar Fläche einnimmt. In den vergangenen 50 Jahren ist die Waldfläche in Deutschland sogar gewachsen – und zwar um rund eine Million Hektar. Mit 32 Prozent Waldfläche ist Deutschland das waldreichsten Land Mitteleuropas.

Waldfakten:

• Hessen ist neben Rheinland-Pfalz mit 42 Prozent Waldfläche auf Platz 1 in Deutschland, Thüringen mit 34 Prozent auf Platz 7.
• 41 Forstämter kümmern sich in Hessen um den Erhalt der Wälder, in Thüringen sind es 24. Deutschlandweit sind 360 Forstämter aktiv.
• (Revier-) Förster sind Angestellte im höheren öffentlichen Dienst. Sie sind gemeinsam mit ihrem Team für die Bewirtschaftung eines Reviers zuständig.
• Um Förster zu werden, müssen die Anwärter ein Bachelorabschluss in Forstwirtschaft oder Forstwissenschaft haben. Im Anschluss absolvieren sie ein Referendariat bzw. Traineeprogramm mit Laufbahnprüfung
• Forstliche Fakultäten gibt es in Deutschland an den (Fach-) Hochschulen in Göttingen, Erfurt, Dresden, Freiburg und München

Revierförster Lars Schmidt und sein Hund Pino haben ihr Revier täglich im Blick. Für den nächsten Waldspaziergang empfiehlt der Förster eine Wanderung zur Teufelskanzel. Der Ausblick auf die Werraschleife, den Hohen Meißner und den Kaufunger Wald soll atemberaubend sein.

Foto: privat

Im Hinblick auf den Rohstoff Holz macht uns Deutschen kein anderes Land in der Europäischen Union etwas vor. Und damit das so bleibt, ist die Verantwortung für die Gesundheit und Lebensraumvielfalt des Waldes auf viele Schultern verteilt. Etwa die Hälfte des deutschen Waldes ist in privaten Händen, ein Fünftel gehören Gemeinden, Städten und anderen öffentlichen Körperschaften, ein Drittel gehört Bund und Ländern. Die Mitarbeiter von 360 deutschen Forstämtern sind jeden Tag in unseren Wäldern unterwegs, um die Pflege des Waldes sicher­zustellen. Einer von ihnen ist Förster Lars Schmidt (29) aus Neu-Eichenberg. Er betreut ein Revier im WMK-Nachbarland Thüringen und hat die vergangenen Wochen des Zwangsstillstands mit gemischten Gefühlen erlebt.

Herr Schmidt, welche Erfahrungen haben Sie in den Wochen des Corona-Lock-Downs in Ihrem Revier gemacht?

Lars Schmidt: Mir sind in meinem Revier viele Wanderer und Sportler begegnet. Es freut mich sehr, dass die Menschen ihre Zeit in diesen Wochen vermehrt damit verbracht haben, die Natur zu erkunden. Gerade der Wald ist eines der intaktesten und vielfältigsten Ökosysteme, die wir hier in Deutschland haben. Wir sollten gut darauf achten und ihn so gut es geht schützen. Deshalb habe ich mich umso mehr über diejenigen geärgert, die den Lock-Down zum Aufräumen genutzt und ihren Sperrmüll dann im Wald entsorgt haben. Waschmaschinen und Autoreifen gehören auf die Mülldeponie und nicht in den Wald.

Das ist ja wirklich frech! Haben sich durch die vermehrte Nutzung und auch die Verschmutzungen schon Veränderungen in Flora und Fauna ergeben?

Speziell durch die letzten Wochen nicht. Die Trockenheit der letzten Jahre und auch jetzt im Mai hingegen setzen auch unseren Wäldern, den Tieren und Pflanzen, sehr zu. Der Borkenkäfer hat gerade optimale Bedingungen, um sich zu verbreiten. In meinem Revier sind in den letzten zwei Jahren ganze Buchenbestände sozusagen verdurstet, also trocken geworden. Beides macht mir große Sorgen. Ich hoffe, dass wir nicht ein drittes extrem trockenes Jahr haben werden. Das wäre für die Natur fatal.

Auf was sollten Waldbesucher in Zukunft achten, um die Natur zwar zu genießen, aber nicht zu stören?

In Deutschland dürfen 98 Prozent des Waldes betreten werden. Mit dieser Freiheit sollten wir alle verantwortungsvoll umgehen. Aktuell haben unsere Waldtiere Brut- und Setzzeit. Sie reagieren auf Störungen dann besonders empfindlich. Für Waldbesucher gilt deshalb: Auf den Wegen bleiben und die Hunde an der Leine führen. Dazu kommt: Durch die Trockenheit und teilweise auch durch die heftigen Stürme in der Vergangenheit, gibt es in den Baumkronen viel Totholz. Die Äste könnten jederzeit herunterstürzen. Zum eigenen Schutz sollten Waldbesucher also aufmerksam über die Wege spazieren und ihren Blick auch mal nach oben richten.

Den Förster-Job kennen die meisten Menschen vermutlich nur aus der Heimatserie „Forsthaus Falkenau“. Erzählen Sie uns, was Sie tatsächlich machen, wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Försters aus?

Einen typischen Tag hat ein Förster eigentlich nicht. Die Jahreszeiten bestimmen unseren Alltag und unsere Aufgaben. Der Winter ist am arbeitsintensivsten für mein Team und mich. Das ist die Hauptzeit für den Holzeinschlag und die Jagd. Ich überwache dann die Arbeiten im Wald, vermesse Holz und kümmere mich um dessen Verkauf. Zur Zeit plane ich die Aufforstung im Herbst und bespreche mich diesbezüglich mit den Waldbesitzern zur Baumartenwahl und generell zur Aufforstung. Im Sommer zeichne ich Bäume aus. Das bedeutet vitale Bäume – auch Zukunftsbäume genannt – werden gekennzeichnet, um sie in ihrer Entwicklung fördern zu können. Naturschutzfachlich wertvolle Bäume wie Horst- und Höhlenbäume kennzeichnen wir ebenfalls. Wenn sie die Zukunftbäume bedrängen, werden sie entnommen. Dazu kommt die Arbeit im Büro. Sie bestimmt einen großen Teil meines Tages. Das ist vielen Menschen, glaube ich, gar nicht bewusst – ein Förster am Schreibtisch. Das Ziel meiner Arbeit ist jeden Tag: einen naturnahen, mehrschichtigen Wald zu erhalten, der den Anforderungen des Klimawandels gewachsen ist. Und dieses Gesamtpaket lässt mich jeden Tag lächeln.