Sie sind da, wenn’s haarig wird

Noch nie waren Friseure so beliebt wie 2020

Sie sind da, wenn wir uns mal wieder im Farbtopf vergriffen haben. Wenn uns das Leben vor Herausforderungen stellt und wir dringend eine Veränderung brauchen. An den wirklich wichtigen Tagen im Leben sorgen sie dafür, dass wir perfekt aussehen und sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn uns unsere Haare wieder einmal zum verzweifeln bringen: Die Friseure.

Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Ausgaben des meinWMK, schon die verschiedensten Handwerksberufe aus der Bau- und Elektroinnung sowie der Bäcker- und Fleischerinnung vorgestellt haben, dreht sich in dieser Ausgabe alles um den Friseurberuf. Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft werfen wir einen Blick auf das Handwerk, das bereits seit 118 Jahren von einer Innung vertreten wird – und gerade mehr Wertschätzung erlebt denn je.

Denn mehr als sechs Wochen lang waren alle Friseurgeschäfte im Land wegen der Corona-Pandemie geschlossen und durften erst am 4. Mai unter strengen Auflagen wieder öffnen. „Das hat besonders die selbstständigen Friseure vor große Probleme gestellt, denn plötzlich sind uns alle Einnahmen weggebrochen. Die Fixkosten bleiben aber natürlich bestehen“, sagt Frank Fechtel, Obermeister der Friseurinnung im Werra-Meißner-Kreis. Seit 23. März lagen Kamm und Schere still, überall warteten die Kunden darauf, endlich wieder zum Friseur ihres Vertrauens gehen zu können.

„Das einzig Positive, das aus dieser Krise hervorgegangen ist, ist die völlig neue Wertschätzung, die unser Handwerk nun erfährt“, sagt Fechtel. Gemeinsam mit seinen rund 50 Friseurkollegen, die Mitglieder in der Innung sind, muss er nun aber auch auf das Verständnis der Kunden hoffen. Denn der Friseurbesuch ist durch das Coronavirus nicht mehr, wie er war.

„Ganz wichtig ist, dass die Termine eingehalten werden, denn die Friseure sind dazu aufgefordert, keine Wartezeiten entstehen zu lassen“, erklärt Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Kreis. So werden in den kommenden Wochen auch keine Warteecken mehr in den Geschäften zu sehen sein, die Zeitschriften und der obligatorische Kaffee fallen ebenfalls weg.

Für die Kunden gilt zudem:
• Jeder muss seinen eigenen Mundschutz dabei haben und tragen
• Jeder Kunde muss seine Daten in einer Liste eintragen, bei einer Verweigerung gibt es keinen Haarschnitt
• Jedem Kunden werden die Haare gewaschen
• Es wird keine Haarschnitte am trockenen Haar geben

Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishand­werkerschaft Werra-Meißner.
Foto: Schreivogel

Besonders mit der letzten Maßnahme soll sichergestellt werden, dass die Kunden keine Viren aus der Umgebung mit in den Laden bringen. „Das ist natürlich nicht nur eine Umstellung für die Kunden, sondern auch für uns. Wir müssen in den nächsten Wochen herausfinden, wie wir mit den Verordnungen umgehen müssen, damit wir sie gut in die Praxis einbinden können“, sagt Fechtel.

„Die Kreishandwerkerschaft unterstützt die Friseure dabei mit einer Sammelbestellung von Nasen-Mund-Schutzmasken. Wir haben genug bestellt, um alle Geschäfte mit Masken ausstatten zu können“, erklärt Schenker. Zudem sei er sich sicher, dass die Hygiene-Auflagen bei allen Friseuren strikt eingehalten werden. Darunter zählt auch, dass die Umhänge nach jedem Kunden gewaschen und die Arbeitsplätze desinfiziert werden.

„Das sind große Veränderungen, mit denen wir nun Leben müssen. Aber dennoch ist der Friseurberuf der geilste Job der Welt!“, ist Frank Fechtel überzeugt. Doch was braucht es, um ein guter Friseur zu werden?

Interesse am Friseurberuf? So sieht die Ausbildung aus

Die Ausbildung zum Friseur dauert in der Regel drei Jahre und wird grundsätzlich im dualen System absolviert. Das heißt: Der praktische Teil des Handwerks wird im Ausbildungsbetrieb vermittelt, die Theorie in der Berufsschule. „Im Friseurberuf gibt es aber auch noch die überbetriebliche Unterweisung, die dafür sorgt, dass es eigentlich eine Ausbildung aus drei Säulen ist“, erklärt Schenker. Diese Unterweisungen finden während der Ausbildung viermal, für jeweils eine Woche, statt und vermitteln den Auszubildenden Inhalte, die zum Themenplan der Ausbildung gehören, in ihrem Betrieben aber nicht angeboten werden, z. B. Kosmetik.

Einen geforderten Schulabschluss gibt es für den Friseurberuf nicht, für Frank Fechtel und viele andere Ausbildungsbetriebe zählen Noten nicht an erster Stelle: „Wichtiger sind mir zum Beispiel die Kopfnoten. Ich muss wissen, ob ein Auszubildender auch mit Menschen kommunizieren kann, denn das ist in unserem Beruf ein wichtiger Bestandteil.“

50 Auszubildende gibt es derzeit im Kreis und sie alle werden darauf vorbereitet, einen Beruf auszuführen, der einer der kreativsten Berufe der Welt ist“, sagt Fechtel. Kaum ein Beruf lebe so sehr am Zeitgeist, wie der Friseur. Ein Gespür dafür sollte also vorhanden sein. Auch ein gewisses Grundgeschick und normales Verständnis für die Mathematik sind von Vorteil.

„Das Vorurteil, dass man als Friseur nicht viel verdienen würde, kann ich außerdem vom Tisch fegen. Wir haben in den letzten Jahren viele neue Tarifverträge auf- und umgesetzt, die dafür sorgen, dass es sich beim Friseurhandwerk sicherlich nicht um einen ‚Billig-Job‘ handelt“, betont Stephan Schenker. Außerdem warten das ganze Berufsleben neue Fort- und Weiterbildungen auf die Friseure.

Wer Interesse an einer Ausbildung zum Friseur hat, der kann sich die Mitgliedsbetriebe in der Friseurinnung auf der Seite der Kreishandwerkerschaft unter www.kh-wm.de genauer ansehen. (frw)