Foto: EAM Kassel Marathon/ Stefan Waldert /punkt.waldert.küppers

Nina Voelckel gewinnt Halbmarathon in Kassel

Nina Voelckel (20) zählt zu den schnellsten Frauen Hessens. Durch ihre Halbmarathon-Siege in Kassel und Bad Hersfeld hat sie die Spots der Läuferszene endgültig auf sich gezogen. Im meinWMK-Interview schwärmt sie von niederländischem Spekulatius, erzählt von ihren Zielen für 2020 und gibt Tipps für die Winter-Laufsaison.

Frau Voelckel, gerade beim EAM Kassel-Marathon haben Sie für Staunen gesorgt. Sie haben Ihre persönliche Bestzeit um sieben Minuten verbessert und sind nach einer Stunde und 20 Minuten im Ziel eingelaufen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Nina Voelckel: In den vergangenen zwölf Monaten habe ich mein Trainingspensum extrem erhöht. Oft trainiere ich sogar zweimal am Tag, und das mit hohen Umfängen. So waren sieben Minuten Verbesserung bei meiner persönlichen Bestzeit möglich. Das klingt hart. Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem Job?

Voelckel: Ich bin Polizeikommissar-Anwärterin, mache also ein duales Studium bei der Polizei in Hessen. Das ermöglicht mir aktuell, mein Training gut in den Alltag zu integrieren. Im Juli werde ich mein Studium beenden und muss meinen Tagesablauf dann nach den neuen Gegebenheiten strukturieren. Mein Ziel ist, dass ich auch im Berufsalltag das Pensum so hoch halten kann, wie aktuell.

Welches Pensum laufen Sie aktuell?
Voelckel: Pro Woche laufe ich zwischen 150 und 200 Kilometer. Zu den Laufeinheiten kommen noch Radfahren, im Winter Skilanglauf und Krafteinheiten. Die richtige Mischung ist in der Vorbereitung auf die Wettbewerbe wichtig.

Waren Sie schon immer so sportlich?

Voelckel: Sport gehört einfach zu meinem Leben dazu, wie Atmen. Ich habe mit Skilanglauf und Ski Alpin angefangen. Um in der Wintersaison Bestleistungen zu erzielen, habe ich im Sommer über Laufen, Radfahren und Skirollern Kondition und Kraft trainiert. Dabei habe ich meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckt. Richtig angefangen zu trainieren, habe ich mit zwölf Jahren. Den ersten Halbmarathon bin ich mit 16 Jahren gelaufen. Dieses Jahr bin ich zum erstmal in der Frauenwertung gestartet.
Das klingt nach einer spannenden Laufsaison 2020, bei der man Sie definitiv im Auge behalten sollte. Welche To Dos haben Sie dafür?

Voelckel: Auf jeden Fall die Deutsche Meisterschaft im Halbmarathon und im Straßenlauf, alle Hessischen Meisterschaften auf den längeren Strecken, der Nordhessencup, der EAM Kassel-Marathon und einige Läufe, die ich mal eben so nebenbei mitmachen kann. Eventuell laufe ich auch einen Marathon mit. Das entscheide ich aber erst zur gegebenen Zeit.

Bleibt bei so vielen Wettbewerben, Training, Studium und Job noch Zeit für ein Privatleben?

Voelckel: Klar. Das ist mir sogar sehr wichtig. Ich schlafe lieber weniger und verbringe stattdessen lieber Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie.

Um diese Topleistungen zu erbringen,
ernähren Sie sich bestimmt genau nach Plan. Gibt’s dennoch eine Weihnachts­nascherei, an der Sie überhaupt nicht vorbeikommen?

Voelckel: Oh ja! Ich liebe Plätzchen aller Art und Spekulatius-Spezialitäten aus Holland. Die sind ein Muss in jeder Advents- und Weihnachtszeit. Ansonsten ernähre ich mich schon seit einigen Jahren vegetarisch. Das hat aber nichts mit dem Sport zu tun, sondern war eine persönliche Entscheidung von mir.

Wie verbringen Sie die Weihnachtstage?

Voelckel: Mit meiner Familie. Wir fahren am zweiten Weihnachtstag in den Skiurlaub. Das ist schon fast eine Familientradition. Ich will die Weihnachtstage möglichst ruhig verbringen, denn danach fange ich direkt an, meine Bachelor-Arbeit zu schreiben.

Was empfehlen Sie für ein erfolgreiches Winter-Lauftraining?

Voelckel: Warm anziehen, gut aufwärmen und rutschfeste Schuhe. Ich für meinen Teil friere ziemlich schnell. Wenn es draußen also zu kalt ist, gehe ich lieber ins Fitnessstudio aufs Laufband. Funktionskleidung ist wichtig, denn ein kaltes, verschwitztes Shirt, sorgt für kalte Muskulatur – eine Verletzungsgrundlage. Im Winter ist es noch wichtiger als im Sommer, sich gut aufzuwärmen. Die Verletzungsgefahr ist höher, weil die Muskulatur durch die Kälte länger braucht, um die gesunde Betriebstemperatur zu erreichen. Nur rutschfeste Schuhe bewahren nicht vor dem Fall. Deshalb ist eine gefühlvolle Schritttechnik im Winter besonderes wichtig. Dann kommt man ohne Schlitterpartie über die Laufstrecke.