Großeltern fördern emotionale Entwicklung der Enkelkinder

S ie backen und spielen, lesen vor und helfen bei den Hausaufgaben, sie fahren den Nachwuchs zum Sporttraining oder zum Musikunterricht, sind Ratgeber und Tröster – die Bedeutung von Großeltern in Familie und Gesellschaft war selten so groß wie heute. „Oft sind heute beide Elternteile berufstätig und haben flexible Arbeitszeiten – umso wichtiger ist, dass Oma und Opa bei der Kinderbetreuung einspringen können“, sagt Helga Engelke (77) aus Kassel. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Hessen und Großmama von drei Enkelkindern.

Mit- und voneinander lernen

Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es allen Beteiligten tut, wenn die Großeltern aktiv ins Familienleben und die Betreuung der Kleinen einbezogen werden. Bei ihr zu Hause gab es früher einen festen „Oma-Tag“ in der Woche, an dem ihre drei Enkelkinder (ein Mädchen, zwei Jungen) zu Besuch kamen. „Von einem guten Verhältnis zwischen Großeltern und Enkeln profitieren alle“, sagt sie. „Abgesehen davon, dass die Eltern entlastet werden, können Alt und Jung unheimlich viel voneinander lernen. Meine Enkelkinder helfen mir zum Beispiel oft am Computer – auch, wenn ich dreimal nachfragen muss. Ich sage dann immer: ‚Na komm, ich habe dir früher ja auch dreimal erklärt, wie man sich die Schuhe bindet!‘“

Fördert emotionale Entwicklung

Der „Oma-und-Opa-Faktor“ lässt sich sogar volkswirtschaftlich belegen: Laut Experten beläuft sich der Wert der jährlichen Betreuungsleistung von Großeltern in Deutschland auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. 
Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist aber die emotionale Seite. Großeltern sind aufgrund ihrer Erfahrung meist geduldiger mit den lieben Kleinen. „Das ist für viele Kinder eine schöne Erfahrung und gibt ihnen Geborgenheit“, erklärt Psychologin Svenja Lüthge. Außerdem lernen Enkel von ihren Großeltern Dinge, die sie in der Schule normalerweise nicht erfahren. „Etwas über Traditionen zum Beispiel“, sagt Helga Engelke, „über die Geschichte der Familie oder des Wohnortes. Aber auch Handarbeiten oder andere handwerkliche Fähigkeiten. Das sind alles Dinge, die bewahrt werden sollten.“

Kurze Distanz zu Großeltern

In vielen Fällen leben Großeltern und Enkelkinder relativ nah beieinander. Eine Umfrage des Deutschen Jugendinstituts ergab, dass 75 Prozent aller Kinder nicht weiter als 15 bis 30 Minuten von mindestens einer Oma oder einem Opa entfernt wohnen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Jedes vierte Kind wohnt heute nicht mehr in der Nähe seiner Groß­eltern.

Dürfen sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen?

Helga Engelke ist stellvertretende Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Hessen und Großmutter von drei Enkelkindern. Sie weiß: Oma und Opa sind für die Kids wichtige Bezugspersonen. Foto: pm

„Großeltern sollten keine Erziehungstipps geben“, rät Helga Engelke, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Hessen. „Wenn Omas und Opas in die Kinderbetreuung eingebunden werden, sollte vorher mit den Eltern genau abgesprochen werden, welche Grenzen den Kindern gesetzt werden, was erlaubt ist und was nicht. Und: Wenn mehrere Großeltern da sind, sollte man nicht versuchen, sich gegenseitig mit Geschenken zu überbieten.“ Psychologen bestätigen diese Haltung. Der Grund: Ein häufiger Wechsel der Regeln verwirrt die Kinder und kann zu Konflikten mit den Eltern führen. Zum Beispiel, wenn Großeltern ihrem Enkelkind mehr Zeit vor dem Computer zugestehen, als es von zu Hause gewohnt ist. „Bei Oma und Opa darf ich das aber!“, heißt es dann schnell. Betreuen ohne zu erziehen, engagieren ohne sich einzumischen – so sollte das Motto lauten.