Projektförderung ab sofort ausgeschrieben

Leerstand ist in zahlreichen Städten Gang und Gäbe. Besonders in ländlichen Regionen wird er teilweise akut, die Innenstädte sterben aus, die Lebensqualität sinkt. Eschwege zählt zu den wenigen Kleinstädten, die die Wende geschafft haben. Der Leerstand in der Innenstadt ist inzwischen wieder bei unter zehn Prozent. Ein guter Wert, bedenkt man, dass noch vor rund zehn Jahren mit der Schließung des Großkaufhauses Hertie ein großes Loch in der Innenstadt entstanden ist. Etwa vier Jahre hat die Stadt gekämpft, um aus dem Tief zu kommen und das Konzept Schlossgalerie erfolgreich umzusetzen. Mit Erfolg. „Inzwischen müssen wir nach Leerständen suchen, die wir noch vermieten können“, sagt Wolfgang Conrad, Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft mbH (PEG), Wirtschaftsförderer der Kreisstadt und Ideengeber des Projekts „Durchstarten“. Das Projekt richtet sich an Gründer, die in Eschwege ihren Geschäftsstandort einrichten wollen. Gerade in der Gründungsphase gilt es, kostengünstig zu bleiben. „Genau da setzt unser Angebot an“, erklärt Conrad. „Wir stellen Gründern Geschäftsräume bis zu zwölf Monten mietfrei zur Verfügung. Sie müssen lediglich die Nebenkosten zahlen. Nach der Förderungsphase können sie die Räume übernehmen oder sich etwas Neues suchen.“ Ab sofort können sich wieder Gründer für die Förderung bewerben.

Das Maalia-Team (v.li.): Lina Eisenhuth,
Madeleine Iffert, Viola Schake Foto: Maalia

Netzwerk unterstützt Entwicklung

Zwei Start-ups haben das Angebot in den letzten zwölf Monaten genutzt: Die Social Media Agentur Maalia und die Entwicklerinnen der Protein-Backmischung Make Cake. Beide haben Räume in der Eschweger Fußgängerzone bezogen und dort im letzten Jahr ihre Unternehmen wachsen lassen. Beide werden die Geschäftsräume fest mieten und empfehlen die Projektteilnahme weiter. „Ich kann ‚Durchstarten‘ nur empfehlen“, sagt Madeleine Iffert, Inhaberin der Agentur Maalia in der Marktstraße 4. „Es ist eben mehr als nur mietfreie Geschäftsräume für den Anfang. Es ist vor allem ein Netzwerk, das auf Geben und Nehmen beruht.“ Maalia hat sich in den vergangenen zwölf Monaten etabliert, was am wachsenden Team und Kundenstamm deutlich wird. Erst im Juli hat Iffert wieder eine neue Mitarbeiterin – die vierte – gecastet.

Joanna Wöhl und Mayra Werner von
Make Cake (v.li.): Foto: Make Cake

Zweiter Standort geplant

Die Make Cake-Gemeinde wächst zusehends: Über 10.000 Follower auf Instagram, über 5.000 Mitglieder in der Make Cake-Rezepte-Gruppe auf Facebook, eine wachsende Kundenliste. Inzwischen planen die Schwestern Joana Wöhl und Mayra Werner sogar einen zweiten Standort außerhalb der Stadtgrenzen Eschweges. „Wir haben unser Konzept in Eschwege ein Jahr lang testen können“, sagt Make Cake-Gründerin Joana Wöhl. „Dass wir uns erstmal keine Sorgen um die Miete machen mussten, hat uns sehr geholfen. Denn wir konnten uns damit voll auf ein gutes Marketing konzentrieren.“ Die Schwestern haben ihren Online- und Einzelhandel um das Make Cake-Café erweitert und begeistern ihre Community mit kreativen, gesunden „Kuchenbowls“.

Wolfgang Conrad, Foto: PEG

Innovative Geschäftsideen gesucht

„Die Pop-Up-Store-Szene wird auch in Deutschland immer beliebter“, erklärt Wolfgang Conrad. Das hat ihn inspiriert. „Neue Konzepte und Gründer, die für ihre Idee brennen, bringen die ganze Stadt weiter und machen sie lebenswert. Das will die PEG mit dem Projekt ‚Durchstarten’ fördern.“ Bewerben kann sich jeder, der eine innovative Idee und einen dazu passenden Business-Plan hat. Sie müssen mindesten 18 Jahre alt sein und ihre Geschäftsidee darf keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Ladengeschäften in Eschwege sein. „Interessierte Gründer können sich direkt mit mir in Verbindung setzen und mir ihre Geschäftsidee erklären“, sagt Conrad. „Ob sich eine vollständige Bewerbung lohnt oder was vielleicht noch ergänzt werden muss, um die Idee bewerbungsfähig zu machen, können wir dann direkt besprechen.“

In der nächsten Bewerbungsrunde stellen die Gründer ihre Idee einer Jury vor, die dann letztlich entscheidet, ob sie gefördert wird oder nicht. Wolfgang Conrad ist erreichbar unter der Telefonnummer 05651-304 337 oder per E-Mail an wolfgang.conrad@eschwege-rathaus.de

Lebensqualität steigern

Die Projektentwicklungsgesellschaft mbH ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Eschwege, die eigens dafür gegründet wurde, Stadtentwicklungs-und Wirtschaftsförderprofjekte durchzuführen. Darüber hinaus betreut die PEG aktuell die Projekte „Wohnen am Werra-Nordarm“ und „Umnutzung der ehemaligen Lagerhäuser Am Mühlgraben“. Letztere sollen auch Co-Working-Spaces enthalten. Aktuell wird eine Machbarkeitsstudie durchgeführt.