Fingerspitzengefühl ist gefragt

Anlagenmechaniker brauchen nicht nur ein schlaues Köpfchen

In den vergangenen Ausgaben des meinWMK-Magazins haben wir Ihnen schon die verschiedensten Berufe und Handwerksinnungen rund um Friseure, Metallbauer, Bäcker, Maler, Fleischer und viele mehr vorgestellt – diesmal wird sich auf den kommenden Seiten alles um die Innung der Sanitär- und Heizungstechnik drehen!

Die Innung der Sanitär- und Heizungstechnik ist mit über 50 Mitgliedsbetrieben nicht nur eine der größeren Handwerksinnungen im Werrra-­Meißner-Kreis, sondern auch besonders gut vernetzt.

„Hier sind nicht nur die einzelnen Betriebe organisiert, sondern in der täglichen Arbeit sind auch die Energieversorger aber auch das Schornsteinfegerhandwerk eingebunden. Schließlich sind manche Arbeiten in diesem Handwerk gefahrgeneigt, weshalb zahlreiche Zusatzqualifikationen erforderlich sind. Diese reichen von der Inbetriebnahme und Montage an Wassernetzen, bis hin zu Arbeiten an der Energieversorgung, über Strom, Gas, Öl, Pellet und weiteren Energieträgern“, erklärt der Obermeister der Innung, Bernd Schrader.

„Zum Beruf des Anlagenmechanikers gehört ein breites Feld an Aufgaben!“

Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Wohnung geheizt ist, oder warmes Wasser aus dem Wasserhahn beziehungsweise der Dusche kommt. Sie machen u.a. auch das Badezimmer gegebenenfalls für ältere oder behinderte Menschen barrierefrei und ermöglichen so ihren Mitmenschen erst ein Leben in ihrer vertrauten Umgebung. Dinge, die oftmals erst dann bewusst werden, wenn in der anbrechenden kalten Jahreszeit etwas nicht funktioniert. Weitere Bereiche sind auch der Umweltschutz. Durch moderne Technik wird aktiv zum Klimaschutz beigetragen und zudem eine hohe Energie-Effizienz sichergestellt. Bei Heizungsanlagen, die mit Öl betrieben werden, wird auch der gesetzliche Gewässerschutz sichergestellt.

Oft werden die Anlagenmechaniker dann allerdings mit dem Klempner gleichgesetzt – aber das stimmt nicht! Hierbei handelt es sich um zwei völlig verschiedene Berufszweige. Im Gegensatz zum Anlagenmechaniker, kümmert sich ein Klempner eher um das Montieren von Regenrinnen oder dem Verkleiden von Dächern und Schornsteinen mit Blechen.

Bernd Schrader ist Obermeister der Sanitär- und Heizungstechnik-­Innung. Foto: Kreishandwerkerschaft

Ausbildungen wurden zusammengelegt

Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gibt es in der heutigen Form erst seit 2003, vorher war sie in die Berufe des Gas- und Wasser-Installateurs und des Zentralheizungs- und Lüftungsbauers aufgeteilt. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker dauert dreieinhalb Jahre, bei der neben den technischen und organisatorischen Grundlagen auch die fachpraktischen Fertigkeiten dieses Handwerks gelernt werden. Dabei untergliedert sich das Berufsbild des Anlagenmechanikers in die Spezialisierungen der Heizungstechnik und Sanitärtechnik. Beispielsweise lernen die Auszubildenden bereits während ihrer Ausbildung auf Kundenwünsche einzugehen, Kundenaufträge entgegenzunehmen, hieraus Arbeitsabläufe zu planen und durchzuführen. Zu den technischen Grundlagen gehören neben dem Einsatz von unterschiedlichsten Materialien und Werkstoffen, unter anderem besagte handwerkliche Grundlagen wie Bohren, Schrauben, Schweißen, Löten, Sägen, Feilen, Schneiden, Verpressen und Verkleben von Werkstücken, aber auch das Anfertigen von Rohren, Blechen und Profilen. Hierbei ist oftmals hohes handwerkliches Geschick gefragt, denn oft müssen Teile maßgefertigt werden, damit sie auch hundert­prozentig passen. „Das Klischee, welches in dem Werner-Comic vermittelt wird, stimmt mit der Realität in keinster Weise überein und wird den Ausbildungsinhalten dieses anspruchsvollen Ausbildungsberufes nicht gerecht“, so Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Werra-Meißner-Kreis.

„Die Ausbildung ist dabei nicht nur wegen der vielen Maßanfertigungen anspruchsvoll, sondern sie erfordert ein hohes Maß an Achtsamkeit. Kleine Fehler können fatale Folgen haben. Schließlich arbeiten Anlagenmechaniker auch an Gasanlagen, die mit besonderer Vorsicht und viel Verständnis behandelt werden müssen“, so Schenker. Doch was braucht es, um ein guter ­Anlagenmechaniker oder Mechanikerin zu werden?

„Voraussetzung für eine Ausbildung ist ein guter Hauptschulabschluss, ein gutes technisches und mathematisches Verständnis und natürlich das handwerkliche Geschick.“

sagt Stephan Schenker.

Besonders in kniffligen Aufgabenstellungen ist in diesem Beruf nicht nur der Sachverstand gefragt, sondern auch das Fingerspitzengefühl, da zum Teil sensible Lebensbereiche betroffen sind. Langeweile wird deswegen sicherlich nicht aufkommen! Die Arbeiten finden nämlich in den verschiedensten Umgebungen statt und das nicht nur in den Häusern der Kunden, sondern auch im Freien, oder in luftiger Höhe, beispielsweise wenn eine Solaranlage installiert werden muss. „Reizend ist dabei sicherlich nicht nur die Abwechslung und die Arbeit im Team, sondern auch, dass dieser Berufszweig mittlerweile in hohem Maße digitalisiert ist. Tablets und Smartphones aber auch der Einsatz von Drohnen werden hier oft zu tagtäg­lichen Arbeitsmitteln“, erklärt Schenker.

Wer sich für die Ausbildung zum Anlagenmechaniker/in interessiert, der kann sich auf der Internet-Plattform des Fachverbandes unter www.zeitzustarten.de nicht nur mehr Informationen einholen, sondern auch gleich Kontakt zu rund 25.000 Betrieben in ganz Deutschland aufnehmen. Eine weitere Möglichkeit bietet aber auch die Internet-Plattform der Handwerkskammern unter www.lehrstellen-radar.de.

Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Foto: Kreishandwerkerschaft

„Ich empfehle den jungen Menschen aber zudem immer, direkt mit den Betrieben in Kontakt zu treten, sei es weil Interesse an einem Praktikum oder aber an einer Ausbildung in einem der Betriebe im Kreis besteht.“

„Der Jugendliche sollte einen Termin vereinbaren und seine Bewerbungsunterlagen persönlich vorbeibringen. Wie so oft im Leben, zählt der erste Eindruck, den Betrieb und Bewerber so gewinnen.“, sagt Stephan Schenker.
Die Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner ist bei der Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsplätzen jederzeit gerne Ansprechpartner für Jugendliche.

Übrigens: Der Verdienst liegt nicht im Niedriglohn-Sektor! Bereits im ersten Lehrjahr gibt es eine Ausbildungsvergütung von 800 Euro und auch die Aufstiegs- und Verdienst-Möglichkeiten nach der bestandenen Abschlussprüfung sind sehr gut! Denn zahlreiche Optionen in der Weiterbildung, beispielsweise zum/zur Techniker/in oder zum/zur Meister/in eröffnen eine Karriere im Handwerk! – Mit dem Meisterabschluss ist sogar ein Studium an einer Hochschule oder Universität möglich!

Der Beruf braucht nicht nur handwerkliches Geschick, sondern besonders Fingerspitzengefühl ist bei vielen Aufgaben gefragt.