Ein Jahr ohne Feste?

Großveranstaltungen im Kreis müssen weichen

Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen von der Bundesregierung verboten worden, um die Eindämmung des Coronavirus weiter voranzutreiben. Wie groß Versammlungen in den kommenden Monaten sein dürfen, dass entscheiden die Bundesländer individuell, doch für die Großveranstaltungen im Kreis gibt es nur wenig Hoffnung. Sowohl das Johannisfest in Eschwege, das Open Flair, die Kesperkirmes in Witzenhausen und das Erntefest in Bad Sooden-Allendorf sind bereits abgesagt worden.

In Eschwege trauern die Einwohner deswegen besonders um ihr geliebtes Fest, Organisator Uwe Gondermann und Bürgermeister Alexander Heppe können aber zumindest ein kleines Trostpflaster anbieten: „Das Johannisfest wird, wie wir es alle schätzen und lieb gewonnen haben in diesem Jahr nicht stattfinden können. Bereits kurz nach der Absage des Festes in der gewohnten Form lagen uns aber viele Anregungen aus der Bevölkerung vor, was alternativ, unter diesen schwierigen Bedingungen, vielleicht doch noch möglich wäre. Immer mit Blick auf die Beschränkungen und die einzuhaltenden Regeln arbeiten wir fieberhaft daran, ein Hauch vom ‚Fest der Freuden‘ für alle Eschweger zu retten.“
Unter anderem sei eine „Informations-(Fest-) schrift“ zum Johannisfest in Corona-Zeiten geplant. Es werde eine Johannisfestplakette geben und auch die traditionellen Johannisfestbrötchen werden für die Schüler gebacken! Und auch die Planungen für das Johannisfest 2021 laufen bereits, das Datum steht ebenso fest: vom 1. Juli bis 5. Juli 2021 wird in Eschwege wieder gefeiert. „Mit dieser Hoffnung laufen bereits die ersten Vorbereitungen für 2021 vom Opening bis zum Abschlussfeuerwerk“, so Gondermann.

In Witzenhausen müssen die Menschen ebenso verzichten, denn die 54. Kesperkirmes fällt dank des Virus auch ins Wasser. Johannes Siebold von der ProWitzenhausen teilt die Trauer der Bevölkerung. Für die Wahl der Kirschenkönigin gibt es wegen den ungewöhnlichen Umständen außerdem mehrere Neuerungen. „Das amtierende Kirschenkönigshaus 2019/2020 mit Kirschenkönigin Sophia und Ihren Prinzessinnen Anna und Anastasia wird in diesen außergewöhnlichen Zeiten nicht im Juli zur eigentlichen Kesperkirmes inthronisiert.
Sie werden gemeinsam noch ein Jahr amtieren und somit wird erst zur nächsten stattfindenden Kesperkirmes im Juli 2021 ein neues Königshaus gekrönt“, so Siebold. Für die drei diesjährigen Kandidatinnen beginnt die Amtszeit dafür schon früher, denn Antonia, Martha und Samira werden dem aktuellen Königshaus ab sofort zur Seite stehen. Da Veranstaltungen
in der üblichen Form in der nächsten Zeit nicht durchgeführt werden können, werde das Königshaus und die Kandidatinnen die Region in der nächsten Zeit vermehrt in den sozialen Medien repräsentieren, so die Veranstalter.

Große Trauer herrscht auch im traditionsbewussten Bad Sooden-Allendorf. Hier musste das beliebte Erntefest abgesagt werden. „Wir sind alle sehr enttäuscht, aber haben nach den Ereignissen in den vergangenen Monaten schon damit gerechnet“, so Stefan Lauer, Vorsitzender des Erntefestausschuss in der Kurstadt. Die Gesundheit der tausenden Besucher stände an erster Stelle, deswegen habe man in den vergangenen Wochen bereits kein Programmheft drucken lassen, wie sonst in den vorherigen Jahren üblich. „Neben den gesundheitlichen Bedenken, wussten wir auch nicht, ob wir gemeinsam auf die Felder können um das Getreide für den Straßenschmuck zu holen. Und ein Erntefest ohne Schmuck ist einfach nicht das Gleiche“, so Lauer.

Johannisfest 2019. Foto: johannisfest.info
Kesperkirmes 2019. Foto: Halpape

Einen offiziellen Ersatz für das Fest wird es nicht geben, dafür freue man sich umso mehr auf das Erntefest 2021, das dann vom 13. August bis zum 17. August stattfindet.

Für Bestürzung im ganzen Kreis und darüber hinaus sorgte aber Anfang April die Absage des Open-Flair-Festival. 20.000 Menschen strömen in normalen Jahren zu den Bühnen zwischen Werratalsee und Werdchen – in diesem Jahr wird am zweiten Wochenende im August Stille herrschen. Das trifft die Organisatoren hart, denn das Festival ist von den jährlichen Einnahmen abhängig, um sich immer wieder finanzieren zu können. Inzwischen arbeite man daran, die bereits gebuchten Künstler, auch für 2021 mit ins Boot zu holen und auch mit den Lieferanten ist das Team in Gesprächen. Außerdem wurde mittlerweile eine große Merch-Kollektion im Shop bereit gestellt, deren Einnahmen helfen, das Flair zu unterstützen. Karten, die für dieses Jahr gekauft wurden, behalten auch weiter ihre Gültigkeit für das kommende Jahr und wer sein Geld nicht zurückfordert, der unterstützt damit auch das Team hinter dem Festival.

Klar ist, das das Jahr 2020 für Festival- und Kirmesfreunde ein schlechtes ist, aber die Gesundheit aller sollte immer an erster Stelle stehen. Freuen kann man sich aber definitiv auf alle heimischen Veranstaltungen im kommenden Jahr, denn nach einem Jahr Pause, ist die Freude auf die Feiern doch umso größer!

Erntefestumzug Bad Sooden-Allendorf 2018. Foto: privat
OpenFlair 2019. Fotos: Archiv Mundus