Die Tischler – ein Traditionsberuf mit Zukunft

Die Abwechslung steht im Vordergrund

Wenn die Fenster nach Maß passen müssen, die Küche zum Einzelstück werden soll oder es neue Türen im Haus braucht, dann sind sie zur Stelle: Die Tischler.
Nachdem wir Ihnen in den vergangenen Ausgaben des meinWMK schon einige Handwerksberufe aus der Friseurinnung, der Bau- und Elektroinnung und der Bäcker- und Fleischer­innung vorgestellt haben, wollen wir uns in dieser Ausgabe – gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft – einer der stärksten Innungen im Werra-Meißner-Kreis widmen. Der Innung holz- und kunststoffverarbeitendes Handwerk.

Denn beim Tischlerberuf wird nicht nur mit Holz gearbeitet, sondern auch mit Kunststoff, Glas, Metall und Stein. „Das Berufsbild ist sehr abwechslungsreich, zahlreiche Materialien müssen gehandhabt und richtig bearbeitet werden“, erklärt Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Diese Abwechslung zeigt sich auch in der Berufsbezeichnung, denn während in Nordhessen der Tischler unterwegs ist, ist es im Süden der Schreiner, „Das Berufsbild ist aber das Gleiche“, so Schenker.

Aktuell 43 Betriebe sind im Kreis in der Innung organisiert, 35 Auszubildende, verteilt über alle Lehrjahre, arbeiten derzeit darauf hin, zum Gesellen zu werden. Dabei lernen sie Möbel zu bauen, ganze Inneneinrichtungen herzustellen und ganz individuell auf die Kundenwünsche einzugehen.

Die Betriebe haben sich auf ganz unterschiedliche Felder des Berufs spezialisiert. Wir haben Treppenbauer, Fensterbauer,
aber auch Betriebe, die an historischen Stücken arbeiten und diese restaurieren„, sagt Stephan Schenker.

Zum Einsatz kommen bei allen Arbeiten auch hochmoderne Maschinen, die die Gesellen und Meister bei ihrer Arbeit unterstützen. „Tischler arbeiten mit einer hochtechnisierten Produktion, die aber nicht auf Quantität, sondern auf Qualität der Arbeit ausgerichtet ist, und somit das Produkt noch leistungsfähiger macht“, so Schenker.

Händchen und Köpfchen sind in der Ausbildung gefragt

Doch was braucht es um Tischler zu werden? „Ganz wichtig sind handwerkliches Geschick und technisches Verständnis. Mathematische Kenntnisse sollten auch vorhanden sein“, erklärt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Voraussetzung für den Start einer Tischler-Ausbildung ist ein guter Hauptschulabschluss, die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre.
In dieser Zeit wird eine duale Ausbildung absolviert, bei der der praktische Teil im Ausbildungsbetrieb erlernt wird, die Theorie in der Berufsschule. Zudem gibt es auch drei überbetriebliche Lehrgänge bei denen der Umgang mit Maschinen, wie Sägemaschinen, Tischfräsen oder Hobelmaschinen erlernt wird. „Erst nach diesen Lehrgängen darf auch mit den Maschinen umgegangen werden, denn die Sicherheit muss immer gewährleistet werden“, so Schenker. Neben den Maschinenlehrgängen gibt es auch noch einen Oberflächenlehrgang. Hier lernen die Auszubildenden, wie die verschiedensten Oberflächen zu bearbeiten sind.
Am Ende der Lehrzeit wird dann das Gesellenstück für die fachpraktische Prüfung angefertigt. Dabei müssen die Lehrlinge alleine ein von ihnen entworfenes Möbelstück bauen und den Prüfern um Martin Füllgraf, Obermeister der Innung, präsentieren. Dabei wird auch der Wettbewerb „Die gute Form“ ausgetragen, der unter den angetretenen Prüflingen einen Sieger kürt. Bei den Auszubildenden, die 2020 ihren Abschluss machten, konnte sich Jens Belling (Ausbildungsbetrieb Reiner Bader, Witzenhausen) mit seinem Couchtisch aus Esche und Eiche den Sieg sichern. Mit einem weißen Sideboard belegte Florian Heckmann (Ausbildungsbetrieb Alexander Welch, Großalmerode) den zweiten Platz, Dritter wurde Johannes Küllmer (Ausbildungsbetrieb Schneider GmbH & Co.KG, Waldkappel) mit einem Barschrank.

„Wer gerne mit natürlichen Werkstoffen arbeitet und mit kreativen Lösungen sich selbst verwirklichen möchte, der ist für das Tischlerhandwerk geeignet. Hier erlebt man nicht nur jeden Tag etwas anderes, sondern hat auch ein breites Band an Entwicklungsmöglichkeiten, denn nach der Gesellenprüfung muss nicht Schluss sein“, erklärt Stephan Schenker. Für einen ausgelernten Tischler gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, zur Meisterschule zu gehen oder eine Technikerausbildung zu absolvieren. „Der Tischlerberuf ist auch bei weitem kein Billig-Job, hier wird gutes Geld gezahlt und auch das Stigma, das nur Männer Tischler werden, stimmt nicht! Wir haben zahlreiche Tischlerinnen, darunter auch Meisterinnen, in unserer Innung, die ganz klar das Gegenteil beweisen“, erklärt Schenker stolz.
Schülern, die gerade einen Abschluss gemacht haben und nicht wissen, wie sie ins Berufsleben starten sollen, empfiehlt Schenker selber die Initiative zu ergreifen: „Wer Interesse an dem Beruf hat, der sollte einfach eine Bewerbung schreiben und sie am besten persönlich in einem der Betriebe abgeben.“
Übrigens müssen Ausbildungen nicht zwingend zum 1. August starten. Der Abschluss eines Lehrvertrages ist zu jedem Zeitpunkt möglich.