Der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie

Jeder fünfte Vater verzichtet zugunsten des Jobs auf Elternzeit

Papa geht arbeiten, Mama achtet auf die Kinder. Das Rollenbild erscheint vielen jungen Arbeitnehmern antiquiert – und doch verzichten viele Väter auf ihren gesetzlichen Elternzeit-Anspruch. Wie exotisch ein Vater ist, der sich für längere Zeit aus dem Berufsleben verabschiedet, zeigt Daniel Eich. Der Mann von Astronautin Insa Thiele-Eich wurde 2019 als „Spitzenvater des Jahres“ ausgezeichnet, weil er sich für ein Jahr Elternzeit entschieden hat und seine Frau ihren Beruf dadurch uneingeschränkt weiter ausführen konnte.

Aufwärtstrend erkennbar

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt die Ungewöhnlichkeit: Wie viele Väter in Deutschland Elternzeit nehmen, kann statistisch nicht belegt werden. Es gibt keine gesetzliche Grund­lage, die das verlangt. Durchaus statistisch festgehalten wird, wie viele Väter und Mütter Elterngeld oder ElterngeldPlus (Väter/Mütter arbeiten damit weiter, aber in Teilzeit) beantragen. 35,9 Prozent der Männer machen ihren Anspruch geltend. Das mag wenig erscheinen, beschreibt aber einen Aufwärtstrend. Im Zehn-Jahres-Vergleich: 2008 haben nur rund 21 Prozent der Väter Elterngeld beantragt.

Motiviertere Mitarbeiter

Wirklich lange verabschieden sich die wenigsten Väter zugunsten der Familie aus dem Job. Die Durchschnittliche Väterzeit liegt laut Bundesfamilienministerium bei 3,7 Monaten. In dieser Berechnung sind auch jene Väter berücksichtigt, die über ElterngeldPlus ihren Job für eine gewisse Zeit nur noch in Teilzeit ausüben. Der Geschlechtervergleich zeigt: Mütter beantragen das Elterngeld im Durchschnitt für über 13 Monate. Haben die Männer also tendenziell weniger Interesse am Nachwuchs? Im Gegenteil. Laut dem aktuellen Väterreport des Bundesfamilienministeriums, sagen rund 70 Prozent der Väter in Deutschland, „dass sie sich mehr an der Erziehung und Betreuung der beteiligen als die Väter ihrer Elterngeneration – und sie bewerten das als persönlichen Gewinn. Und mehr als die Hälfte der Väter mit Kindern unter sechs Jahren würde gern mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen.“ Jeder fünfte Vater in Deutschland verzichtet aber darauf, weil er um seine berufliche Stellung bangt. Das zeigt: Männer sind trotz Gleichberechtigung nach wie vor die Hauptverdiener in den Familien und Elternzeit für Väter ist in deutschen Unternehmen noch längst keine Normalität. Und das, obwohl Studien des Bundesfamilienministeriums gezeigt haben, dass die Zeit mit der Familien zu mehr Zufriedenheit bei den Vätern führt. Für das Unternehmen bedeutet das: engagierte Mitarbeiter, die produktiver arbeiten und weniger Fehlzeiten aufweisen.

Ein Unternehmen, dass die Benefits zufriedener Väter unter anderem erkannt hat, ist die Großbäckerei Mestemacher. Sie schreibt jedes Jahr den Preis „Mestemacher Preis Spitzenvater des Jahres“ aus und unterstützt damit ihre Mitarbeiter darin, sowohl ihren Familien- als auch Berufsaufgaben nachzukommen.