Das einzige Tierheim im Kreis hat seine Türen geöffnet

„Wir versorgen alle Tiere mit viel Liebe und Hingabe“

Von lautem Gebell und vielen aufgeregten Vierbeinern werden Besucher im Tierheim in Eschwege begrüßt. Hunde, Katzen, Hamster und Meerschweinchen tummeln sich in allen Farben und Größen in den zahlreichen Räumen des Tierschutzvereins Eschwege und Umgebung, während Tierheimleiterin Elvira Kaestner ­dafür sorgt, dass hier auch während der Corona-Pandemie alle gut versorgt sind.

„Derzeit sind wir schon ein wenig im Stress“, erklärt sie. Für das meinWMK-Magazin hat sie aber dennoch die Türen des einzigen Tierheims im Werra-Meißner-Kreis geöffnet und einen Einblick hinter die Kulissen gegeben. Über tausend Tiere haben hier seit der Gründung vor mehr als 60 Jahren ein temporäres Zuhause gefunden, mittlerweile sind es über 500 Tiere alleine in einem Jahr.

Zu den Bewohnern zählt derzeit auch noch Kater Benni. Das junge Tier kam vor wenigen Wochen in das Tierheim und ist ein besonderer Fall. „Benni hat einen Bruch, der anscheinend nie richtig behandelt wurde und zieht sein rechtes Vorderbein deswegen stark nach. Aber wir hoffen so sehr, dass wir schnell Besitzer für ihn finden, wo er unter Aufsicht auch nach draußen kann“, so Kaestner. Die Grundausstattung für ihr neues Tier – egal ob Hund oder Katze – bekommen Neu-Tierbesitzer beispielsweise bei Jasmin Füllgraf-Schmidt in ihrem Futterladen in Hessisch Lichtenau. „Wir haben von Futter und Leinen, über Decken bis hin zum Spielzeug wirklich alles, was sich ein Tier wünschen kann und beraten die neuen Besitzer natürlich auch bei allen Fragen“, erklärt die Inhaberin.
Aber was der Verein in den vergangenen Jahren so alles geleistet hat und wie die Geschichte des Tierheims begann, das hat Gudrun Schmidt, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, unserem Magazin im Interview erzählt.

meinWMK: Das Tierheim in Eschwege besteht seit fast 65 Jahren, aber wie hat alles seinen Anfang genommen?

Gegründet wurde der Tierschutzverein im Januar 1956. Die Unterbringung für die Tiere ­bestand aus einer alten Gartenlaube und einigen Hundehütten am Grebendorfer Hüttchen. Seit 1986 ist das Tierheim an seinem jetzigen Standort in der Thüringer Straße untergebracht. Nur wenige Jahre nach dem Umzug musste aber schon ein Katzenhaus angebaut werden, das wir vor knapp zehn Jahren nochmals erweitern mussten, da immer mehr hilfsbedürftige Tiere aus dem Kreis und den angrenzenden Regionen im Tierheim abgegeben wurden.

Immer wieder werden Tiere nicht abgegeben, sondern auch ausgesetzt. Wie viele Tiere versorgen Sie in einem Jahr?

Letztes Jahr wurden insgesamt 523 Tiere aufgenommen. 2020 dürften es nicht wesentlich weniger Tiere sein, die unserer Hilfe bedürfen. Unsere Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer versorgen und betreuen die Tiere mit viel Liebe und Hingabe. Bevor ein Tier einfach ausgesetzt wird, stehen wir als Tierheim immer zur Verfügung! Wir versuchen immer zu helfen und stehen den Besitzern zur Seite.
Oft werden Tiere auch als Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt, aber ist das wirklich eine gute Idee?

Tiere unter dem Weihnachtsbaum geht aus unserer Sicht gar nicht. Wenn wir aus Ge­sprächen heraushören, dass es sich um ein Weihnachtsgeschenk für ein Familienmitglied – oft für Kinder – handelt, versuchen wir zu erklären und zu überzeugen, dass Tiere grundsätzlich keine Geschenke sind und gerade an Feiertagen doch Unruhe und Trubel herrschen, die für Stress sorgen. 
Wir raten dazu, dass sich die ganze Familie bei uns im Tierheim die Tiere ganz in Ruhe anschaut. Ist dann eine Entscheidung gefallen, werden Zeit und Ruhe gebraucht, damit sich alle aneinander gewöhnen können.

Worüber sollte man sich bewusst sein, bevor man sich ein Tier aus dem Tierheim holt?

Wenn man sich ein Tier aus dem Tierheim holen möchte, sollte man bedenken, dass es sich dabei um ein Tier aus zweiter Hand handelt. Oft wissen wir nicht, wie es ihm in seinem „Vor-dem-Tierheim“-Leben ergangen ist. Wir versuchen die Tiere während ihres Aufenthaltes kennen zu lernen, ihre Eigenschaften zu ergründen und Vertrauen aufzubauen, um möglichst viele Informationen an die neuen Besitzer weitergeben zu können.
Wenn dann Mensch und Tier zueinander gefunden haben, wird ein Schutzvertrag, in dem alle uns bekannten Daten des Tieres vermerkt sind, geschlossen und eine entsprechende Schutzgebühr erhoben.
Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, wie sieht es im Tierheim derzeit mit den Regeln aus?

Auch in unserem Tierheim bekommen wir die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Bereits im Frühjahr – wie auch jetzt – haben wir Regeln für unsere Mitarbeiter, die Ehrenamtlichen und die Besucher erstellt. Die zahlreichen Hundespaziergänger haben wir gebeten nicht zu kommen, da bei der Entgegennahme und Rückgabe der Tiere nicht immer die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Trotzdem müssen die Tiere nicht auf ihre täglichen Spaziergänge verzichten, sie werden von unseren Mitarbeitern und Stamm-Ehrenamtlichen ausgeführt. Wer sich ein Tier ansehen möchte, der muss vorher telefonisch einen Termin vereinbaren. Wir können uns so nicht nur genug Zeit nehmen, sondern auch auf die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter und Besucher achten.