Das Rathaus in Hessisch Lichte­nau

Lichtenauer Bürgermeister Michael Heußner im Interview

Bürgermeister Michael Heußner

Hessisch Lichtenau liegt im süd-westlichen Teil des Werra-Meißner-Kreise. Die rund 12.300 Einwohner-Stadt wird gern als Durchfahrts-Ort verschrien – und hat dabei so viel zu bieten. Seit 2016 ist Michael Heußner Bürgermeister der Stadt und hat sich zum Credo gewählt, seine Stadt zukunftsfähig zu machen, die Netzwerke in der Stadt zu stärken und damit ein positives Wir-Gefühl zu erzeugen. Wir haben uns mit dem Bürgermeister zum Stadtspaziergang getroffen und genauer gefragt, was Hessisch Lichtenau zum „place to be“ im WMK macht und warum Interessierte sich am besten sofort um Bauplätze bemühen sollten.

meinWMK: Herr Heußner, wenn Sie Hessisch Lichtenau mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Heußner: Eine schwere Frage. Als alteingesessener Hessisch Lichtenauer fallen mir so viele Worte zu meiner wunderschönen Heimat ein. Ich entscheide mich für: Frau Holle. Fachwerkstadt. Natur. Die ‚Märchenfigur Frau Holle ist die Patronin unserer Stadt. Viele Veranstaltungen orientieren sich daran und wir haben ihr mit dem Holleum sogar ein eigenes Museum gewidmet. Das Fachwerk in unserer Stadt verleiht ihr den märchenhaften Charme. Und in nur wenigen Gehminuten ist man von der Innenstadt aus mitten in der Natur. Man muss für ein bisschen Ruhe und Erholung also nicht mal weit fahren.

meinWMK: Das hört sich nach einer lebenswerten Stadt an. Ist sie das auch?

Heußner: Definitiv ja. Denn in Hessisch Lichtenau vereinen sich urbane und ländliche Strukturen. Dazu kommt: Es ist alles vor Ort. Von Hallenbad über Straßenbahn bis hin zu einer abwechslungsreichen Veranstaltungskultur. Besonders in den nächsten Wochen wird es in unserer Stadt lebendig: es finden zahlreiche Vereinsjubiläen statt, die Lichtenauer Wiesn, das Holle-Rockfestival, der Tag des offenen Denkmals – der Veranstaltungsplan ist voll. Ein Highlight wird die Show von Comedy-Schwergewicht Daphne Deluxe sein.

meinWMK: Gibt es auch negative Seiten bzw. wie sind die vergangenen acht Monate politisch und gesellschaftlich in Hessisch Lichtenau verlaufen?

Heußner: Die gibt es doch überall. Unsere Finanzlage ist nicht rosig. Aber wir arbeiten daran, die Altschulden abzubauen und bei Investitionen neue Schulden zu vermeiden – und das ohne die Grundsteuern zu erhöhen. Wir wollen Einen Teil können wir aus dem Verkauf einer Industriefläche ausgleichen. Der bringt uns drei Millionen Euro in die Stadtkasse eingebracht. In Zukunft bringt uns das auch mehr Einnahmen durch mehr Gewerbesteuer-Beiträge und Arbeitsplätze.

meinWMK: Welche Vorhaben gehen Sie in den nächsten Monaten noch an?

Heußner: Viele. Dazu zählt unter anderem WLAN an öffentlichen Plätzen. Das wird es spätestens im nächsten Jahr in der Stadt geben.
Vom Vorhaben Bürgerbus haben wir uns verabschiedet, da mir die Ortsbürgermeister nahezu alle die gleiche Antwort geben: unnötig. HeLi hat eine gute und ausreichende öffentliche Anbindung in alle Himmelsrichtungen.
Wir werden unsere historischen Stadtführungen um eine weitere ergänzen. Im Keller des Rathauses befinden sich Zellen aus der Zeit, als das Gebäude noch preußisches Amtsgericht war. Die restaurieren wir für den touristischen Zweck.
Da unsere Stadt seit einigen Jahren kontinuierlich wächst, brauchen wir auch mehr Kita-­Plätze. Wir sind also gerade dabei, den bereits bestehenden Mangel zu beheben, indem wir einen Waldkindergarten eröffnen und zusammen mit unserer Nachbarstadt Großalmerode einen Übergangskindergarten einrichten. Ein Shuttleservice wird die Kinder von HeLi nach Großalmerode bringen. Auch im neuen Baugebiet „Auf dem roten Land“ entsteht ein neuer Kindergarten mit fünf Gruppen. Bis auf den Übergangekindergarten – der wird sofort eingerichtet – realisieren wir die Vorhaben bis spätestens nächsten Sommer.

meinWMK: Bevölkerungswachstum ist auf dem Land ja eher ungewöhnlich. Gehen Sie davon aus, dass die Stadt weiter wächst?

HeLi hat ihr ein Denkmal gebaut: Frau Holle.
Fotos: Mundus


Heußner: Ja. Wir haben jetzt schon mehr Anfragen für Bauland als wir Land zur Verfügung haben. Die Stadt wird also in Zukunft weiter wachsen. Wie gesagt: Wir haben hier alles vor der Haustür, was es für einen guten Lebensstandard braucht. Die Zuziehenden sehen das.

meinWMK: Das klingt als sei die Wahrnehmung der Stadt in HeLi sehr negativ?!

Heußner: Natürlich wird viel gemeckert. Aber wir arbeiten daran, Stadtverbundenheit herzustellen. Dazu knüpfen wir unter anderem ein Band zu den Schulen. Die Erstklässer bekommen zur Einschulung ein HeLi-Lineal geschenkt. Ich begrüße die jungen Schüler am ersten Tag persönlich in den Klassen und stelle mich ihren Fragen. Das ist jedes Jahr eine tolle Erfahrung für beide Seiten.
Auch das Altstadtfest schafft Verbundenheit. Ähnlich wie für die Eschweger das Johannisfest, ist das Altstadtfest ein fester Termin der Hessisch Lichtenauer. Mit dem Heimatshoppen von unserer Initiative HeLi gibt nicht auf, wollen wir die Kaufkraft in der Innenstadt stärken.
Und das Projekt der Uni Kassel hat unseren Blick zusätzlich auf einige Begebenheiten gerichtet. In den nächsten Monaten werden wir die Fußgängerzone abends und am Wochenende durch einen pneumatischen Poller für den Verkehr schließen.

meinWMK: Wie stehen Sie zum Thema Straßenausbaugebühren?

Heußner: Das ist ein breites Thema, das viele Diskussionen bringt. Auch und gerade hier in HeLi. Für den Hessentag vor einigen Jahren sind schon viele Straßen ausgebaut worden. Unsere Bürger mussten also schon einmal tief in die Tasche greifen. Das Geld bekommen sie auch nicht zurück. Werden die Beiträge also auf die Grundsteuer umgelegt, zahlen diese Menschen drauf. Letztlich müssen wir alle abwarten, was Wiesbaden entscheidet und damit dann umgehen.