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Als Ruheständler neu durchstarten

A n einem Tag im Frühsommer 2012 klingelt bei Helmut Kleinhans (65) das Telefon. Am Apparat meldet sich ein ehemaliger Kollege des Vorruheständlers. 35 Jahre lang hat Kleinhans bei der Firma Bosch in Erbach als Kursleiter für Automatisierungstechnik gearbeitet. Im Ruhestand verbringt er seine Zeit mit Golfspielen oder am Computer, im Winter geht er mit seiner Frau Ski fahren. „Langweilig ist mir eigentlich nicht“, sagt Helmut Kleinhans. Und dennoch klingt das Angebot seines Ex-Kollegen verlockend. „Er fragt an, ob ich zeitweise wieder in meinen alten Job einsteigen und Fortbildungen leiten will“, erzählt Kleinhans. Lange überlegen muss er nicht, um mit „Ja“ zu antworten.
Seitdem gibt Kleinhans sein Fachwissen und seine Erfahrungen an jüngere Kollegen weiter. In über drei Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit hat er davon reichlich gesammelt. Auf Achse sein und der Kontakt mit den jüngeren Kollegen: „Das hat mir schon ein bisschen gefehlt“, sagt der (Un-)Ruheständler heute.

Einführung in die digitale Welt

Szenenwechsel: Ein Gemeinschaftsraum des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Frankfurt-Griesheim. Abends treffen sich hier die DRK-Sanitätshelfer. Nachmittags sitzt hier eine Gruppe aus Frauen und Männern zwischen 60 und 86 Jahren.

In Ehrenämtern, Schulen und Unternehmen ist ihr Wissen gefragt

An einem Tag im Frühsommer 2012 klingelt bei Helmut Kleinhans (65) das Telefon. Am Apparat meldet sich ein ehemaliger Kollege des Vorruheständlers. 35 Jahre lang hat Kleinhans bei der Firma Bosch in Erbach als Kursleiter für Automatisierungstechnik gearbeitet. Im Ruhestand verbringt er seine Zeit mit Golfspielen oder am Computer, im Winter geht er mit seiner Frau Ski fahren. „Langweilig ist mir eigentlich nicht“, sagt Helmut Kleinhans. Und dennoch klingt das Angebot seines Ex-Kollegen verlockend. „Er fragt an, ob ich zeitweise wieder in meinen alten Job einsteigen und Fortbildungen leiten will“, erzählt Kleinhans. Lange überlegen muss er nicht, um mit „Ja“ zu antworten.
Seitdem gibt Kleinhans sein Fachwissen und seine Erfahrungen an jüngere Kollegen weiter. In über drei Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit hat er davon reichlich gesammelt. Auf Achse sein und der Kontakt mit den jüngeren Kollegen: „Das hat mir schon ein bisschen gefehlt“, sagt der (Un-)Ruheständler heute.

Einführung in die digitale Welt

Szenenwechsel: Ein Gemeinschaftsraum des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Frankfurt-Griesheim. Abends treffen sich hier die DRK-Sanitätshelfer. Nachmittags sitzt hier eine Gruppe aus Frauen und Männern zwischen 60 und 86 Jahren. 
Konzentriert blicken sie auf Computer- und Laptopbildschirme. Wie richtet man eine Firewall zum Schutz vor Hackerangriffen ein? Wie verschicke ich Fotos? Wie komme ich überhaupt an eine E-Mail-Adresse? Alle diese Fragen beantwortet Edeltraud Stockmann (73) den Kursteilnehmern. Bis 2008 hat sie hauptamtlich für das DRK gearbeitet. Zu Stockmanns Aufgaben als stellvertretende Abteilungsleiterin Sozialarbeit hat damals bereits gehört, älteren Mitbürgern Grundkenntnisse und weiterführende Feinheiten aus der digitalen Welt zu vermitteln.

Diese Arbeit führt sie auch im Ruhestand fort. Dieses Mal ehrenamtlich, unterstützt von einem engagierten Helfer-Team. „Damals stand das Angebot vor dem Aus, weil die bisherigen Räume nicht weiter genutzt werden konnten“, erzählt sie. „Das fand ich schade. Deshalb habe ich mir überlegt, einmal in der Woche einen Computerkurs ohne Bezahlung weiter anzubieten. Ich habe also einen neuen Raum gesucht, die entsprechenden Anträge gestellt, neue Rechner organisiert – und dann konnte es weitergehen!“

Politik gibt Antworten

Edeltraud Stockmann und Helmut Kleinhans sind nur zwei Beispiele von vielen tausenden Hessinnen und Hessen, die auch in der Rente weiter beruflich aktiv sind. Sei es ehrenamtlich oder in einer bezahlten Tätigkeit, zum Beispiel auch als „Mini-Jobber“ (bis 400 Euro Einkommen). Von diesem Engagement profitieren nicht nur die Ruheständler selbst, weil sie sich auch im Ruhestand einer wertvollen und nachhaltigen Aufgabe widmen und sich dadurch eine Alltagsstruktur schaffen. Auch Unternehmen, Vereine, Hilfsorganisationen und vor allem ihre Schüler profitieren von den fachlichen und sozialen Kompetenzen dieser Lehrer.

Kompetenz der Senioren ist gefragt

Fit, kompetent, mobil: Attribute, die auch auf Edeltraud Stockmann und Helmut Kleinhans zutreffen – und die sie engagiert zu nutzen wissen. Kleinhans reist auch im Ruhestand als Kursleiter für Bosch um die Welt. „Nur nicht mehr so oft wie früher und auch nicht mehr so lange am Stück“, erzählt er. „Früher war ich ja oft sechs Wochen im Ausland. Insgesamt komme ich nun im Jahr noch auf etwa 100 Arbeitstage.“ Unternehmen und Hilfsorganisationen wie Bosch und das DRK nutzen die Kompetenzen ihrer „Seniorexperten“ gern.

Ehrenamt ist unverzichtbar

„Ich bin der Meinung, dass sich noch viel mehr Menschen meiner Generationen engagieren sollten. Besonders ehrenamtlich, denn all diese Tätigkeiten sind in unserer Gesellschaft unverzichtbar“, sagt Edeltraud Stockmann. „Viele Leute in meinem Alter müssten einfach aktiver sein, statt sich nur zu beschweren. Es würde ihr Leben bereichern.“ Der Erfolg gibt Stockmann Recht: Ihre Computerkurse sind immer ausgebucht – und das vermutlich nicht nur wegen des selbstgebackenen Kuchens, den die Kursleiterin jedes Mal mitbringt. Dass Stockmann selbst von ihrem Ehrenamt profitiert, ist nun übrigens auch wissenschaftlich bewiesen. Eine Studie des Max-Planck-Institut hat ergeben: Wer mit über 70 noch eine ehrenamtliche Tätigkeit übernimmt, verlängert sein Leben im Schnitt um drei Jahre!

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